Mittendrin eine Sammelantwort (Reiseberichte)

AX-330, Freitag, 15.11.2013, 11:21 (vor 4525 Tagen) @ Sören Heise

Moinsen,

auch bei Fulda kann ich nicht anders, als kurz aus der Sicht des Betrieblers meinen Quark dazuzugeben, auch wenn das Schlußwort schon gesprochen wurde ;-) Bilder aus der Frontperspektive kann ich nicht bieten, nur was vom Bahnsteig ohne konkrete Aussage, aber das zwanzigste Bild, gerade mit dieser Perspektive -

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richtet angesichts der ollen Strippe zwischen den Schienen vermutlich bei jedem Betriebler, der dort Streckenkunde hat und nicht geradeaus auf der Schnellfahrstrecke weiterfährt, die Nackenhaare auf. Naturgemäß liegt in Fulda LZB - das gehört auf einer Schnellfahrstrecke dazu. Dazu gehören auch Aufnahme- und Endeverfahren, aber so, wie das in Fulda gelöst ist, bleibts nicht bei den Nackenhaaren. Da biegen sich die Zehennägel.

Als aus Richtung Marbach - also Erfurt - kommender Güterzug mit nicht sonderlich vorzeigbaren bremstechnischen Daten findet die bei gutem Wetter haarscharf mit voller E-Bremsleistung durchführbare Schußfahrt in den Personenbahnhof trotz Einhaltung der Fahrplangeschwindigkeit eventuell ein jähes Ende, wenn die Aufnahme in die LZB erfolgt und das nächste Hauptsignal auf Halt steht. Die Hauptluftleitung des Zuges wird zwangsentleert, was ein recht geräuschvolles und vor allem am Selbstbild des Lokführers kratzendes Ereignis ist. Und warum? Tja - signalgeführt wäre man ja völlig sicher und im Rahmen des Gestatteten unterwegs gewesen, aber eine wirklich fiese Anordnung von Brückenpfeilern, Oberleitungsmasten und generell schlechter Sicht verhindert für den herniederfahrenden Lokführer den Blick auf das nächste Vorsignal. Kommt es in Sicht, geht die Fahrt entweder weiter oder endet abrupt. Fifty-Fifty.

Selbst wenn diese erste Hürde genommen ist, wird ein roter Leuchtmelder auf dem Bildschirm oder in der Instrumentenkonsole sehr schnell sehr vertraut für die nächsten vier Kilometer. Gustav nennen ihn manche, er ist nüchtern mit G beschriftet, kann auf zweierlei Art ausgelegt werden, aber was er in Fulda vor allem verheißt, ist eine durch stellwerkstechnische Besonderheiten hervorgerufene Beschränkung der Fahrtgeschwindigkeit. Hier geht man zur sicheren - also langsamen - Seite, was bedeutet, daß ich meine 1800 Tonnen nach der kurzen LZB-geführten Eskapade in Fulda wieder von 65 auf 90 Sachen hochprügeln muß. Signalgeführt hätte ich mit 85 bis 90 dort durchzischen können, die Sicherheit wäre dieselbe gewesen. Dank der LZB stehen 100 bis 200 Kilowattstunden sinnloser Mehrverbrauch zu Buche.

Aus Richtung Neuhof kommend ist es spiegelbildlich - mit dem Unterschied, daß es dann Richtung Erfurt nicht fällt, sondern steigt. Stark steigt. Einen schweren Zug hier wieder auf Reiseflughöhe zu bringen, das schlägt mit nicht unter 300 Kilowattstunden oder bei schlechtem Wetter einer zusätzlichen Runde Eckenstehen im Betriebsbahnhof Marbach zu Buche. Selbstverständlich mit noch weiter gedehnter Energiebilanz.

Was könnte man dran machen? Keine Ahnung. Man könnte vielleicht Geld in die Hand nehmen, wenn man DB Netz wäre, und im Stellwerk umverdrahten - vielleicht. Ich weiß nicht, ob das in Fulda geht. Anderswo geht es. Angesichts der abartigen Energievergeudung in Fulda (man muß sich das mal in Brennstäbe und dann in Brennelemente und dann in Castoren umrechnen, was da schon sinnlos in Wärme umgewandelt worden ist - dann kann man das Verhältnis erahnen) wünsche ich mir jedesmal, daß da einer endlich mal handelt.

Und bis das nicht der Fall ist, kann man festhalten: Der Fernverkehr fährt ja mit Ökostrom, aber die Gütereisenbahn, die vor dem verspäteten Dresdner noch eben mit so-viel-Volldampf-wie-eben-LZB-geführt-möglich durchrauscht, die ballert da dank des mißratenen Endeverfahrens pro Vorbeifahrt hundert Kilo Braunkohle durch. Pfui!

Fährt trotzdem liebend gerne in der LZB - ne ganz phantastische Sache -
Andreas (gestern nacht 2336 durch Fulda und mit 84 km/h entlassen worden, wo signalgeführte 100 gingen)


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